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05.12.2017
Kurze Vollzeit für Baby Bruno

Als Philipp durch die Wohnungstür tritt, schaut Ramona gleich um die Ecke, auf dem Arm Baby Bruno. Sein Mittagsschläfchen ist gerade vorbei, jetzt wartet ein Gläschen selbst gekochter Brei. „Willst Du?“ fragt Ramona. Klar, Papa füttert. Philipp Meisenzahl (36) nutzt seine Elternzeit auch, um die Handgriffe bei der Babybetreuung weiterzuentwickeln.

Dem jungen Vater ist es besonders wichtig, seine Arbeitszeit auch selbst flexibel gestalten zu können. „Mit meiner 35-Stunden-Woche und Gleitzeit von 6 bis 20 Uhr geht das prinzipiell schon ganz gut“, sagt der Industrieelektroniker. Philipp arbeitet im Testlabor des Messgeräteherstellers WIKA im unterfränkischen Klingenberg. Jetzt mit Baby Bruno machen sich Philipp und Ramona Gedanken über die künftige Gestaltung des Familienlebens. „Wenn Bruno eineinhalb ist, kann ich mir gut vorstellen, wieder zu arbeiten“, sagt die Innenarchitektin. Erst Teilzeit, dann gerne mehr.

Bald stellt sich die Betreuungsfrage. „Wir müssten erstmal sehen, ob wir in der Kinderkrippe einen Platz mit ausreichend Betreuungszeit kriegen“, meint Ramona. Philipp hat noch eine andere Option im Kopf: „Wenn die IG Metall in der Tarifrunde die kurze Vollzeit durchsetzt, kann ich mir vorstellen, das zu machen.“

„Ohne Rückkehrrecht wäre mir das zu riskant“

Für zwei Jahre auf 28 Wochenstunden gehen, dann wieder zurück auf 35 Stunden. Der Gedanke ist Philipp sympathisch, aber „ohne Rückkehrrecht wäre mir das zu riskant.“ Denn die beiden haben Pläne, für die sie langfristig mindestens ein Vollzeit-Einkommen brauchen. „Wir wollen gerne ein altes Häuschen für uns umbauen. Und wer weiß, vielleicht kommen noch mehr Kinder“, deutet Philipp an.

Auch bei den anderen WIKA-Beschäftigten ist Arbeitszeit ein großes Thema. Bei der Beschäftigtenbefragung der IG Metall haben dort viele eine zeitweise Ausweitung der Arbeitszeit auf über 35 Stunden bemängelt. „Das Geschäft brummt total“, erzählt Philipp. Deshalb hatte der Arbeitgeber für einige Abteilungen kurzfristig eine generelle Erhöhung der Arbeitszeit auf 40 Stunden angeordnet. Das ist vielerorts Realität in den bayerischen Metall- und Elektroindustrie. Die tatsächliche durchschnittliche Wochenarbeitszeit liegt bei 39,2 Stunden.

Die gute Auslastung führt wohl auch dazu, dass nicht jeder Beschäftigte bei WIKA die Arbeitszeit verkürzen kann. „Einige Mütter wollten etwas kürzer arbeiten, das wurde ihnen nicht eingeräumt“, weiß Philipp. Dabei sieht er attraktive Arbeitszeitmodelle auch als Chance für das Unternehmen: „Ich bin sicher, dass die kurze Vollzeit für WIKA im Werben um Fachkräfte ein Vorteil gegenüber Konkurrenten ohne Tarifvertrag wäre.“

(Timo Günther)

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