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03.08.2010

Von: HR

IG Metall-Analyse zur Ausbildungssituation

Überraschung zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres am ersten August: 50.000 Ausbildungsplätze bleiben in diesem Jahr unbesetzt, verkündet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Ist also der Lehrstellenmangel plötzlich Vergangenheit? Nein, sagt die Bundesagentur für Arbeit, und meldet ihrerseits 45.000 mehr Bewerber als freie Stellen.

Laut Bundesagentur für Arbeit waren im Juli waren 108.500 Ausbildungsstellen noch unbesetzt, während 152.600 Bewerber noch ohne Ausbildungsvertrag waren. Rein rechnerisch kommt man also auf eine Differenz von rund 45.000 jugendlichen Bewerbern. Zum Ausbildungsstart hat die IG Metall die Ausbildungslage analysiert (*) und bringt Licht ins Dunkel.

Im September 2009 hingen rund 74.000 durch als ausbildungsreif eingestufte Jugendliche in Warteschleifen. Dies ist für 2010 nicht anders zu erwarten, was unter anderem der Nationale Bildungsbericht 2010 bestätigt: Zwar habe es demografiebedingt einen Rückgang der Nachfrage gegeben, doch könne von einem ausgeglichenen Ausbildungsstellenmarkt oder einem auswahlfähigen Angebot keine Rede sein.

Mangel an Ausbildung, Mangel an Fachkräften

Das Angebot an Ausbildungsplätzen blieb in 2009 in fast allen Berufen hinter der Nachfrage zurück - trotz drohenden Fachkräftemangels. Noch immer landen Jahr für Jahr fast 400.000 Jugendliche im "Übergangssystem" zwischen Schule und Beruf, ohne dass sich für sie eine Chance auf vollqualifizierende Ausbildung abzeichnet. Arbeitgeber und Bundesregierung verkünden dessen ungeachtet seit Jahren eine entspannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Warum dann jedoch über 1,5 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 in Deutschland ohne Berufsabschluss sind, können allerdings auch sie nicht überzeugend begründen.

Bedarf aus eigenem Potenzial decken

Statt dessen debattiert man über den nahen Fachkräftebedarf beziehungsweise -mangel; der Vorstoß von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle, offensiv qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu locken, ist nur das jüngste Ergebnis dieser Debatte. Die IG Metall und andere Gegner solcher Modelle argumentieren dagegen, man könne den Bedarf durchaus aus dem in Deutschland vorhandenen Potenzial decken - wenn man die jungen Menschen entsprechend qualifizierte.

Bildungsmängel erzeugen Bewerbermängel

Dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag nun unbesetzte Ausbildungsplätze meldet, wird vor diesem Hintergrund erklärbar. Auch die IG Metall räumt ein, dass es durchaus Mängel bei einigen Bewerbern gibt; ebenso wenig bestreitet sie, dass viele Schulen besser werden müssen. Und genau hier setzt die Forderung an: Das Bildungssystem muss junge Menschen qualifizierter mit dem Wissen und den Kompetenzen versehen, das sie für die darauf folgenden Lernprozesse benötigen.

Bewerberspektrum erweitern

Auch die Unternehmen müssen sich auf die veränderte Situation einrichten, statt auf Vorschläge wie den des Wirtschaftsministers zu setzen. Viele wollen etwa meiden bei bei der Auswahlentscheidung für neue Azubis Zugeständnisse: Vier von zehn Industrieunternehmen sehen für ihre Ausbildungsplätze keine Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf vor - im Gegensatz zu einigen großen Firmen wie zum Beispiel Siemens, wo man schon das dritte Mal 250 zusätzliche Ausbildungsplätze für benachteiligte Jugendliche anbietet.

Nur mit solchen Ansätzen lässt sich der Widerspruch zwischen mangelnden Bewerbern und vergeblich suchenden Jugendlichen auflösen. Im Prinzip ist das vielen Unternehmen auch klar: Umfragen zufolge konstatiert über die Hälfte aller Ausbildungsbetriebe mangelnde Ausbildungsreife der Schulabgänger und organisiert daher besondere Unterstützung im Unternehmen. Eine Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zeigt wiederum, dass viele Betriebe Mängel bei der Nachwuchssuche aufweisen: Viele Stellen werden nicht der Arbeitsagentur gemeldet, Kommunikationsforen wie Messen und ähnliche Insturmente nur unzureichend genutzt.

Die Widersprüchlichkeit nicht ignorieren

- so lautet das Fazit der IG Metall zu der komplexen Situation. Deutliche Besetzungsschwierigkeiten auf der einen und vergeblich suchende Jugendliche auf der anderen Seite müssen so zusammengeführt werden, dass die Probleme beider Seiten gelöst werden: Es gilt, das vorhandene Ausbildungspotenzial rascher und besser als bislang zu nutzen und so den Fachkräftebedarf in den Griff zu bekommen.


(*) Die vollständige Analyse der IG Metall können registrierte Benutzer auf dem IG Metall-Portal WAP (Weiterbilden Ausbilden Prüfen) herunterladen.


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